Die Bundesregierung plant, die Entwicklung aller Kinder spätestens mit vier Jahren erfassen zu lassen. Das nehmen wir zum Anlass, über eine grundsätzliche Frage zu sprechen: Wollen wir verstehen, was Kinder brauchen, und die Voraussetzungen dafür schaffen? Oder wollen wir immer früher feststellen, was ihnen noch fehlt, um unsere Erwartungen zu erfüllen?
Ich bin Maurice Janich, Pädagoge und Visualisierungstherapeut. In diesem Beitrag geht es darum, wie wir Belastungen verursachen und anschließend ihre Folgen am Kind bearbeiten. Und darum, wie wir als Eltern aufhören können, jede Forderung weiterzureichen, obwohl wir selbst an ihr zweifeln.
Frage | Kurze Antwort |
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Was plant die Bundesregierung? | Spätestens mit vier Jahren sollen Sprache, sozial-emotionale und motorische Entwicklung sowie mathematische Fähigkeiten erfasst werden. Bei festgestelltem Bedarf soll Förderung folgen. |
Ist das bereits beschlossen? | Nein. Der Bundestag hat den Gesetzentwurf am 9. Oktober 2026 erstmals beraten und an die Ausschüsse überwiesen. Stand: 15. Oktober 2026. |
Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Kind unter den Bedingungen leidet? | Die Erwachsenen müssen herausfinden, was das Kind belastet, und für Entlastung sorgen. Das Kind muss weder seine Überforderung rechtfertigen noch die Bedingungen selbst verändern. |
Sind Diagnostik und Förderung deshalb falsch? | Nein. Schwierigkeiten müssen verstanden werden, damit Kinder passende Unterstützung erhalten. Diese Hilfe darf nicht dazu dienen, vermeidbare Belastungen länger auszuhalten. |
Was können Eltern unmittelbar tun? | Dem Kind zuhören, konkrete Belastungen festhalten und von den verantwortlichen Erwachsenen Veränderungen verlangen. Eine Forderung wird nicht dadurch richtig, dass sie von einer Institution kommt. |
Wie können Eltern gemeinsam etwas erreichen? | Erfahrungen zusammentragen, konkrete Forderungen formulieren und Aufgaben verteilen. So muss nicht jede Familie denselben Konflikt allein austragen. |
Vierjährige sollen getestet werden. Was folgt daraus?
Mit dem Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz will die Bundesregierung die Entwicklung von Kindern spätestens mit vier Jahren erfassen lassen. Auf festgestellten Bedarf sollen Bildungs- und Förderangebote abgestimmt werden. Der Entwurf wurde am 9. Oktober 2026 im Bundestag beraten und an die Ausschüsse überwiesen. Er ist noch kein beschlossenes Gesetz. Deutscher Bundestag, 9. Oktober 2026
Stand zum Gesetzgebungsverfahren: 15. Oktober 2026.
Das Vorhaben umfasst auch Qualitätsvorgaben und zusätzliche Unterstützung für Einrichtungen. Bundesregierung: Bessere Startchancen für Kinder
Wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, müssen Erwachsene verstehen, woran es liegt und welche Unterstützung es braucht. Sie müssen ebenso untersuchen, ob sie selbst zu viel verlangen, notwendige Hilfe vorenthalten oder durch ihren Umgang zusätzlichen Druck erzeugen.
Die Verantwortung dafür liegt vollständig bei den Erwachsenen. Die Erwachsenen müssen dafür sorgen, dass Anforderungen und Unterstützung zum Kind passen. Ein vierjähriges Kind trägt keine Verantwortung dafür, dass eine Einrichtung mehr von ihm verlangt, als es bewältigen kann.
Wenn es unter diesen Abläufen leidet, müssen wir handeln. Wir dürfen nicht warten, bis Förderung das Kind so weit verändert hat, dass es darin weniger auffällt.
Wir erklären die Anforderungen für normal – und das Leiden daran zum Problem
Stell dir vor, dein Arbeitgeber gibt dir dauerhaft mehr Aufgaben, als du in deiner Arbeitszeit bewältigen kannst. Du verzichtest auf Pausen, arbeitest abends weiter und kommst trotzdem nicht hinterher.
Als du erschöpft bist, empfiehlt er dir ein Training für Stressbewältigung. Das Arbeitspensum bleibt gleich.
Du würdest fragen, warum du lernen sollst, eine Überlastung besser auszuhalten, die dein Arbeitgeber weiter verursacht.
Bei Kindern müssen wir ebenso fragen.
Wenn ein Kind nach einem langen Tag nicht mehr konzentriert arbeiten kann, gehört die Länge dieses Tages auf den Tisch. Wenn es regelmäßig an einem Aufgabenpensum verzweifelt, müssen wir dieses Pensum überprüfen. Wenn es Angst davor hat, Fehler zu machen, müssen wir betrachten, was bei einem Fehler passiert.
Stattdessen kann aus jeder dieser Situationen eine neue Forderung an das Kind werden: Es soll ausdauernder arbeiten, selbstständiger werden und besser mit Druck umgehen.
Wir bestimmen die Anforderungen. Wenn Kinder darunter leiden, suchen wir nach dem, was ihnen fehlt, um sie trotzdem zu erfüllen.
Eine Anforderung ist aber nicht sinnvoll, nur weil sie üblich ist. Sie ist nicht angemessen, nur weil andere Kinder sie bewältigen. Und sie wird nicht notwendig, weil eine Einrichtung ihren Ablauf darauf aufgebaut hat.
Wer sie stellt, muss prüfen, ob sie einen sinnvollen Zweck erfüllt, zum Entwicklungsstand des Kindes passt und mit der verfügbaren Unterstützung zu bewältigen ist. Ist das nicht der Fall, müssen die Erwachsenen die Anforderung verändern oder zurücknehmen.
Das Kind trägt keine Schuld daran, dass wir etwas von ihm verlangen, das es überfordert.
Erst demütigen wir das Kind. Dann soll es belastbarer werden.
Ein Kind wird vor anderen wegen eines Fehlers bloßgestellt. Es schämt sich und meldet sich beim nächsten Mal nicht mehr. Irgendwann möchte es morgens nicht mehr hin.
Dann heißt es, das Kind müsse lernen, mit Kritik umzugehen.
Damit verschwindet die Behandlung aus der Erklärung. Übrig bleibt ein Kind, das offenbar nicht belastbar genug ist.
Wir schaden ihm damit doppelt: durch die Demütigung und dadurch, dass wir ihm sein Leiden als persönliche Schwäche erklären.
Aus „So möchte ich nicht behandelt werden“ kann dann „Ich bin zu empfindlich“ werden. Das Kind beginnt möglicherweise, den Fehler bei sich zu suchen, statt die verletzende Behandlung infrage zu stellen.
Dass Urteile über die Person andere Folgen haben können als konkrete Rückmeldungen zum Vorgehen, zeigt auch eine experimentelle Untersuchung von Kamins und Dweck. Fünf- bis sechsjährige Kinder reagierten nach personenbezogener Kritik auf einen anschließenden Misserfolg unter anderem mit mehr Selbstbeschuldigung. Untersucht wurden kurzfristige Reaktionen in Rollenspielen. Kamins und Dweck, 1999
Ein Kind kann Unterstützung brauchen, um eine solche Erfahrung zu verarbeiten. Es ist aber nicht seine Aufgabe, sich gegen die Demütigung unempfindlich zu machen. Die Erwachsenen müssen sie beenden.
Wer täglich Brände legt, braucht keine bessere Löschtechnik. Er muss aufhören, Brände zu legen.
Kinder müssen ihre Entwicklung nicht mit Noten rechtfertigen
Die geplanten Entwicklungserhebungen sind keine Schulnoten. Trotzdem müssen wir über den späteren Schulalltag sprechen, wenn Kinder früher darauf vorbereitet werden sollen.
Warum halten wir es für selbstverständlich, Lernen ständig zu benoten und Kinder miteinander zu vergleichen?
Ein Kind braucht Rückmeldungen. Es muss erfahren können, was es verstanden hat, an welcher Stelle es nicht weiterkommt und wie es weiterarbeiten kann.
Dafür braucht es keine Rangfolge.
Wenn dein Kind einen Rechenweg nicht versteht, braucht es eine passende Erklärung. Eine Vier erklärt ihm diesen Rechenweg nicht. Wenn es einen Text schreibt, hilft ihm eine konkrete Rückmeldung dazu, welche Stelle unverständlich ist. Die Einordnung seiner Leistung ersetzt diese Auseinandersetzung nicht.
Eine Metaanalyse von Koenka und Kollegen fand beim Vergleich von Noten mit schriftlichen Kommentaren ungünstigere Ergebnisse für Leistung und Motivation unter Benotung. Gegenüber gar keiner Leistungsrückmeldung zeigten sich dagegen bessere Leistungswerte, aber ungünstigere Motivation. Die Ergebnisse hängen also auch davon ab, welche Rückmeldungen miteinander verglichen werden. Koenka et al., 2021
Meine Forderung lautet deshalb: Wir müssen aufhören, Noten und ständige Leistungsvergleiche für eine selbstverständliche Voraussetzung von Bildung zu halten.
Es reicht nicht, Kinder freundlicher zu bewerten und ihnen anschließend bessere Methoden gegen Prüfungsangst anzubieten. Wir müssen den Anspruch hinterfragen, ihr Lernen fortwährend in bewertbare Leistungen übersetzen zu dürfen.
Kinder müssen ihre Entwicklung nicht mit Noten rechtfertigen. Erwachsene müssen begründen, warum sie Kinder ständig benoten.
Hilfe darf nicht bedeuten, mehr aushalten zu müssen
Ein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung soll Unterstützung bekommen. Ein Kind mit Angst darf mit seiner Angst nicht allein bleiben. Notwendige Abklärung und Behandlung gehören zu unserer Verantwortung.
Aber wir müssen prüfen, ob diese Hilfe tatsächlich dem Kind dient oder vor allem dafür sorgt, dass der bisherige Ablauf weitergehen kann.
Kann das Kind sich anschließend besser verständigen? Hat es die Erklärung bekommen, die ihm gefehlt hat? Wird es vor verletzender Behandlung geschützt? Ist sein Alltag weniger belastend?
Oder gilt die Maßnahme schon dann als erfolgreich, wenn es wieder mitmacht?
Ein Kind kann lernen, sich zu beruhigen, und trotzdem weiterhin überfordert werden. Es kann seine Angst besser verstehen und dennoch täglich eine Situation erleben, vor der es sich aus nachvollziehbaren Gründen fürchtet.
Wenn du selbst zweifelst, verteidige die Forderung nicht vor deinem Kind
Vielleicht hältst du eine Aufgabe für unnötig. Trotzdem bestehst du darauf, dass dein Kind sie erledigt.
Du möchtest keinen Ärger mit der Schule. Du fürchtest, dass dein Kind am nächsten Morgen dafür geradestehen muss. Vielleicht hast du bereits erlebt, wie schnell aus einer Nachfrage der Vorwurf wird, du würdest nicht ausreichend mitarbeiten.
Das erklärt deinen Druck. Aber dieser Druck kommt bei deinem Kind an, wenn du die Forderung zu Hause durchsetzt.
Du musst eine Vorgabe nicht als richtig verteidigen, nur weil du Angst hast, ihr zu widersprechen.
Du kannst deinem Kind sagen:
„Ich verstehe deinen Einwand und halte diese Aufgabe auch nicht für sinnvoll. Bisher habe ich trotzdem darauf bestanden, weil ich Sorge vor den Folgen hatte. Ich werde das mit der Schule besprechen.“
Damit ist noch keine Änderung erreicht. Aber du verlangst von deinem Kind nicht zusätzlich, etwas für richtig zu halten, das du selbst falsch findest.
Auch wenn du seinen Einwand nicht teilst, verdient er Beachtung. Lass dir zeigen, was schwierig ist. Frage, was dein Kind verändern würde. Vielleicht erfährst du etwas, das du bisher nicht gesehen hast.
Du musst nicht sofort eine fertige Lösung haben. Aber dein Kind sollte wissen, dass du sein Anliegen ernst nimmst und die Klärung mit den Erwachsenen übernimmst.
Geh mit einer konkreten Forderung ins Gespräch
„Mein Kind ist überfordert“ ist ein wichtiger Anfang. Damit daraus eine Veränderung wird, braucht es eine Beschreibung dessen, was passiert.
Wie lange sitzt dein Kind an den Aufgaben? An welcher Stelle kommt es nicht weiter? Was erzählt es über den Umgang mit Fehlern? Was wurde bereits versucht?
Halte fest, was du beobachtest und was dein Kind berichtet. Du musst weder eine Diagnose stellen noch nachweisen, dass die Einrichtung die einzige Ursache seiner Schwierigkeiten ist, um eine Entlastung einzufordern.
Du kannst sagen:
„Mein Kind sitzt regelmäßig bis in den späten Nachmittag an diesen Aufgaben und weint dabei. Ich möchte besprechen, wie der Umfang angepasst wird und welche Unterstützung es in der Schule erhält.“
Oder:
„Mein Kind berichtet, dass seine Fehler vor der Gruppe kommentiert werden. Seitdem traut es sich nicht mehr, sich zu melden. Ich möchte klären, was passiert ist und wie verhindert wird, dass es erneut bloßgestellt wird.“
Wenn die Antwort lautet, dein Kind müsse belastbarer werden, frage nach:
„Welche konkrete Belastung soll es besser aushalten – und warum muss diese Belastung bestehen bleiben?“
Vereinbart, was verändert wird, wer dafür zuständig ist und wann ihr die Wirkung besprecht. „Wir behalten das im Blick“ hilft wenig, wenn niemand sagen kann, was bis zum nächsten Gespräch anders sein soll.
Wenn eine fachliche Abklärung erforderlich ist, muss sie veranlasst werden. Trotzdem dürfen Erwachsene nicht erst auf ein Untersuchungsergebnis warten, bevor sie eine demütigende Behandlung beenden oder eine erkennbare Überlastung reduzieren.
Du brauchst Wissen und Rückhalt, nicht nur Mut
Die Aufforderung „Dann wehr dich eben“ hilft wenig, wenn du Nachteile für dein Kind befürchtest und nicht weißt, was du verlangen kannst.
Informiere dich deshalb über die konkrete Regelung. Beruht die Forderung auf einem Gesetz, einer schulischen Vereinbarung oder der Entscheidung einer einzelnen Lehrkraft? Wer kann sie ändern? Welche Beschwerde- und Beteiligungsmöglichkeiten gibt es vor Ort?
Wenn jemand sagt „Das ist vorgeschrieben“, frage, wo es vorgeschrieben ist und was die Regelung tatsächlich verlangt. Auch eine verbindliche Vorschrift muss hinterfragt werden. Wenn sie keinen sinnvollen Zweck erfüllt oder Kindern schadet, müssen wir ihre Änderung verlangen.
Du kannst um die betreffende Regelung bitten und sie in Ruhe prüfen. Je nach Anliegen können Elternvertretungen, unabhängige Beratungsstellen oder qualifizierte rechtliche Beratung helfen.
Nimm bei schwierigen Gesprächen nach Möglichkeit jemanden mit. Bereitet eure Fragen vor und haltet anschließend die Vereinbarungen fest.
Das nimmt dir nicht jede Angst. Aber du musst dich nicht auf deine spontane Schlagfertigkeit verlassen und anschließend allein überlegen, ob du alles richtig verstanden hast.
Auch gegenüber deinem Kind hilft Ehrlichkeit:
„Ich weiß noch nicht, was wir erreichen. Aber ich habe das Gespräch geführt, und als Nächstes kümmere ich mich darum.“
Sag deinem Kind, welchen nächsten Schritt du übernimmst. Es soll den Konflikt nicht selbst lösen müssen.
Macht aus einzelnen Beschwerden ein gemeinsames Anliegen
Vielleicht denkst du, alle anderen Eltern seien einverstanden. Du weißt aber zunächst nur, dass sie nicht widersprechen.
Frag nach ihren Erfahrungen.
„Wie lange sitzt euer Kind an diesen Aufgaben?“ eröffnet ein anderes Gespräch als „Findet ihr die Schule auch so schlimm?“ Die erste Frage hilft euch herauszufinden, ob ihr ähnliche Probleme beobachtet.
Sammelt konkrete Beispiele. Prüft, welche Anliegen zusammengehören, und formuliert eine Forderung, hinter der ihr gemeinsam stehen könnt.
Wenn mehrere Kinder regelmäßig stundenlang an denselben Aufgaben sitzen, könnt ihr gemeinsam eine Überprüfung des Umfangs verlangen. Wenn Kinder von Beschämungen berichten, könnt ihr einen verbindlichen Umgang mit solchen Beschwerden fordern.
Verteilt die Arbeit: Wer formuliert das Anliegen? Wer trägt Erfahrungen zusammen? Wer nimmt Kontakt auf? Wer geht zum Gespräch?
Nicht jede Familie kann gleich viel übernehmen. Manche Eltern stehen selbst an ihrer Belastungsgrenze. Andere haben mehr Zeit, kennen die Abläufe oder können gut schreiben. Zusammenarbeit bedeutet auch, diese Unterschiede aufzufangen.
Forschung zu kollektivem Handeln zeigt, dass neben wahrgenommener Ungerechtigkeit auch gemeinsame Identität und die Überzeugung, zusammen etwas bewirken zu können, bedeutsam sind. Van Zomeren, Postmes und Spears, 2008
Wenn mehrere Familien dieselbe Belastung beschreiben, muss nicht jede erneut allein erklären, weshalb ihr Kind damit Schwierigkeiten hat. Ihr könnt gemeinsam die Veränderung der Bedingungen verlangen.
Empörung braucht einen nächsten Schritt
Es ist verständlich, wütend zu sein, wenn Kinder verletzt oder überfordert werden. Diese Wut kann uns dazu bringen, etwas nicht länger hinzunehmen.
Aber wenn wir unsere ganze Kraft damit verbrauchen, uns über die Verantwortlichen aufzuregen, fehlt sie irgendwann für die Veränderung.
Ob jemand aus Ignoranz handelt oder trotz besseren Wissens an einer Entscheidung festhält: Unser Kind braucht Erwachsene, die dafür sorgen, dass sich etwas ändert.
Bleibt ein Anliegen unbeantwortet, muss die nächste zuständige Stelle einbezogen werden. Geht es um gesetzliche Vorgaben, muss die Forderung an die politisch Verantwortlichen gerichtet werden.
Auch Öffentlichkeit kann sinnvoll sein. Dann sollten die problematischen Bedingungen und eure Forderung im Mittelpunkt stehen. Die persönlichen Schwierigkeiten deines Kindes müssen dafür nicht öffentlich ausgebreitet werden.
Ein See füllt sich nicht auf einmal. Jeder einzelne Tropfen trägt dazu bei. Wir können außerdem dafür sorgen, dass unsere Bemühungen nicht vereinzelt bleiben: indem wir einander finden, Wissen teilen und gemeinsam auftreten.
Dein Widerspruch kann jemand anderem den Mut geben, eine Erfahrung auszusprechen, die bisher für sich behalten wurde.
Wenn jeder darauf wartet, dass zuerst alle anderen handeln, bleibt alles beim Alten.
Wenn du aus Angst vor Konflikten Forderungen an dein Kind weitergibst, an denen du selbst zweifelst, können wir daran gemeinsam arbeiten. In einem kostenfreien Telefonat klären wir, ob meine persönliche 1:1-Begleitung zu euch passt. Hier kannst du Kontakt aufnehmen.
Herzlichst,
Maurice Janich
Pädagoge & Visualisierungstherapeut
@KraftDeinerGedanken
Häufig gestellte Fragen
Muss ich notwendige Förderung ablehnen, wenn ich die Bedingungen kritisiere?
Nein. Dein Kind soll Unterstützung erhalten, wenn es sie braucht. Gleichzeitig müssen die Erwachsenen prüfen, welche Anforderungen oder Verhaltensweisen verändert werden müssen. Die notwendige Hilfe darf nicht als Begründung dienen, alles andere unverändert zu lassen.
Was bedeutet ein auffälliges Ergebnis bei einer Entwicklungsuntersuchung?
Ein auffälliges Screening-Ergebnis ist noch keine Diagnose. Lass dir erklären, was erfasst wurde, welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können und ob weitere Abklärung notwendig ist. Frage außerdem, welche konkrete Hilfe folgt und wie Beobachtungen aus anderen Alltagssituationen berücksichtigt werden.
Was mache ich, wenn ich mit meiner Kritik allein bleibe?
Prüfe zuerst, ob andere Eltern tatsächlich anderer Meinung sind oder bisher nur nichts gesagt haben. Suche das persönliche Gespräch und bleib bei konkreten Erfahrungen.
Auch ohne eine Gruppe kannst du ein Anliegen vorbringen und Unterstützung suchen. Du musst nicht warten, bis eine Mehrheit hinter dir steht.
Was sage ich meinem Kind, wenn sich trotz meines Einsatzes nichts ändert?
Sag ihm, was du unternommen hast, welche Antwort du erhalten hast und was du als Nächstes tun wirst. Versprich keine Änderung, die noch nicht feststeht.
Dein Kind darf wissen, dass Erwachsene sich uneinig sind. Es darf aber nicht die Verantwortung dafür bekommen, diesen Konflikt selbst zu lösen.
Quellen und fachliche Einordnung
Die Verantwortung für angemessene Anforderungen und notwendige Unterstützung liegt bei den Erwachsenen. Schwierigkeiten eines Kindes müssen verstanden werden. Sie begründen keine Schuld des Kindes.
Nicht jede Schwierigkeit entsteht durch eine Einrichtung. Der Beitrag kritisiert, dass von Erwachsenen verursachte oder verstärkte Belastungen bestehen bleiben, während ausschließlich am Kind gearbeitet wird.
Die Forderung, Noten und ständige Leistungsvergleiche als selbstverständliche Bestandteile von Bildung aufzugeben, ist die pädagogische Position des Autors.
Deutscher Bundestag, 9. Oktober 2026:
Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung beraten. Darstellung des Gesetzentwurfs und des Beratungsstands.
Bundesregierung, 2. September 2026:
Bessere Startchancen für Kinder. Ziele und vorgesehene Maßnahmen des Vorhabens.
Kamins, M. L. & Dweck, C. S., 1999:
Person versus process praise and criticism: Implications for contingent self-worth and coping. Developmental Psychology, 35(3), 835–847. Experimentelle Untersuchungen zu personenbezogenen und prozessbezogenen Rückmeldungen bei fünf- bis sechsjährigen Kindern.
Koenka, A. C., et al., 2021:
A meta-analysis on the impact of grades and comments on academic motivation and achievement: A case for written feedback. Educational Psychology, 41(7), 922–947. Metaanalyse zum Vergleich von Noten, Kommentaren und fehlender Leistungsrückmeldung.
Van Zomeren, M., Postmes, T. & Spears, R., 2008:
Toward an integrative social identity model of collective action. Psychological Bulletin, 134(4), 504–535. Metaanalytische Forschung zu Ungerechtigkeit, gemeinsamer Identität und Wirksamkeitsüberzeugungen als Einflussgrößen kollektiven Handelns.



