Nahaufnahme eines Jungen

Visualisieren – Denken in Bildern

Wir schauen auf das, was dein Kind gerade belastet – nicht nur auf das, was man von außen sieht.

Viele Kinder finden über Bilder, Farben und Vorstellungen einen Zugang zu Gefühlen, die sie noch nicht gut in Worte fassen können. Genau damit arbeiten wir in der Visualisierung.

Während der Reise in die innere Welt deines Kindes können Bilder, Körperempfindungen, Gedanken oder Erinnerungen auftauchen, die mit dem belastenden Gefühl verbunden sind. Dein Kind bestimmt selbst, worauf es schauen und womit es arbeiten möchte.

Wie funktioniert Visualisierung?

Ein Gefühl bekommt eine Form, mit der dein Kind arbeiten kann.

Manchmal hat ein Gefühl eine Farbe, fühlt sich wie Druck an oder nimmt die Form eines Gegenstands an. Ein inneres Bild ist für viele Kinder leichter zugänglich als eine Erklärung.

Im ersten Schritt nimmt dein Kind wahr, wo es das belastende Gefühl im Körper spürt – zum Beispiel im Bauch, im Kopf, in der Brust oder in den Armen.

Im zweiten Schritt gibt es diesem Gefühl mit seiner Vorstellungskraft eine Form. Daraus kann eine Wolke, ein Kreis, ein Stein, eine stachelige Rose oder etwas ganz anderes entstehen.

Im dritten Schritt verändert dein Kind dieses Bild so, wie es sich für ihn oder sie richtig anfühlt: Es kann es herausnehmen, verkleinern, umgestalten, zerstören oder weggeben.

Im vierten Schritt entwickelt dein Kind ein Bild für das Gefühl, das an diese Stelle treten soll – zum Beispiel Mut, Sicherheit, Stärke, Ruhe oder Freude.

Wie erlebt mein Kind die Sitzung?

Eine Reise in die eigene innere Welt.

Während der Visualisierung richtet dein Kind seine Aufmerksamkeit nach innen. Häufig entsteht dabei ein ruhiger, entspannter Zustand, in dem Bilder und Körperempfindungen deutlicher werden.

Manche Kinder sehen klare Bilder. Andere nehmen eher Farben, Formen, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker oder Körperempfindungen wahr. Es gibt dabei kein Richtig und kein Falsch.

Viele Kinder erleben diese Arbeit als spielerisch und vertraut. Sie müssen ihre Vorstellungskraft nicht erst lernen – sie dürfen sie nutzen.

Was macht Visualisierung so wirkungsvoll?

Bilder erreichen einen anderen Teil des Erlebens als Worte.

Vorstellungen sind kein bloßes Kopfkino. Sie können Gefühle und körperliche Reaktionen auslösen, weil das Gehirn innere Bilder in Teilen ähnlich wie reale Wahrnehmungen verarbeitet.

Genau daran arbeitet die Visualisierung. Was dein Kind im Gespräch noch nicht ausdrücken, erklären oder verstehen kann, kann sich als inneres Bild zeigen. Statt ein Gefühl nur zu besprechen, arbeitet dein Kind mit dem Bild und den Empfindungen, die damit verbunden sind.

Wenn sich dieses innere Bild verändert, kann sich auch verändern, wie dein Kind das damit verbundene Gefühl erlebt und wie es künftig mit ähnlichen Situationen umgeht.